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Samstag, 19. November 2011

Sollte die EZB stärker in Italien intervenieren?

Führende Ökonomen plädieren für ein stärkeres Eingreifen der EZB zur Lösung der Schuldenkrise in Europa. Folgende Möglichkeiten werden besprochen: Ein deutliches Ausweiten der bisherigen Aktivitäten am Sekundärmarkt (Börse für Bonds) oder ein direktes Aufkaufen freigegebener Staatsanleihen.
Um die Finanzmärkte aber wirklich nachhaltig zu beeindrucken, müsste die EZB ihre unbegrenzte Interventionsbereitschaft signalisieren, ähnlich wie dies vor einigen Monaten schon die SNB (Schweizer Nationalbank) gegenüber dem Wechselkurs ihres Franken deutlich machen konnte (Kursuntergrenze 1,2CHF).

Umstritten ist zudem, ob tatsächlich große Aufkäufe der EZB geschehen müssen, oder ob allein die Ankündigung ausreicht, um die Renditen angeschlagener Peripherieländer zu senken.

Mir scheint es, dass Italien unter Mario Montis technokratischen Regierung auf einem guten Wege zur Stabilisierung seines Landes ist. Die Pläne zur Ausgabenkürzung, Steuererhöhung und zu Reformen am Arbeitsmarkt und zum Rentensystem sind bitter nötig. Wir sollten jedoch nicht allzu viele Resultate aus diesen Bemühungen in den nächsten Monaten erwarten, so etwas braucht Zeit. Wichtig ist vor allem, dass das italienische Parlament die Brisanz der Lage erkennt und den Plänen zustimmt, auch wenn sie schmerzhaft sein sollten.

Dies wird meiner Überzeugung nach allerdings nicht reichen. Die EZB wird sich früher oder später dazu gezwungen sehen, den Reformprozess des Landes noch stärker als bisher zu begleiten. Von den Finanzmärkten ist kurzfristig nicht erwarten, dass sie logisch und rational handeln, jeder ist erst einmal misstrauisch und um seine eigene Rendite besorgt. Vertrauen in Regierungen geht schnell verloren und kann umso schwerer wieder aufgebaut werden. Bis es soweit ist, sollte die EZB oder viel besser der neu geschaffene EFSF die Finanzierung oder zumindest teilweise Finanzierung des Landes übernehmen. Wie gesagt, der Reformprozess muss dabei in vollem Takt sein, es gibt nur Geld, sobald Fakten geschaffen wurden, ähnlich wie dies momentan auch in Griechenland passiert. Man könnte versuchen die Zinsen für italienische Bonds auf ein erträgliches Maß, in etwa 4.5%, zu drücken.

Das heißt zusammengefasst, eine vorübergehende Intervention der EZB mag sinnvoll sein, solange sie an klare Vorgaben geknüpft ist. Sobald der EFSF voll einsatzfähig ist, und das sollte möglichst schnell passieren, kann er diese Aufgabe dann übernehmen. Langfristig wird Kerneuropa, oder Euro-Europa nur mit einer gemeinsamen Wirtschafts- und Fiskalpolitik überleben bzw. weltweit von Bedeutung sein!

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