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Donnerstag, 12. Januar 2012

Finanztransaktionssteuer - Was ist das eigentlich?

Sie ist momentan das Kernthema der europäischen Verhandlungen, wenn es darum geht, einen Beitrag der Finanzwirtschaft einzufordern. Sie sorgt für viel Ärger zwischen den EU-Mitgliedern, vor allem Großbritannien und Schweden wehren sich vehement gegen die Einführung. Vor allem Großbritannien sieht seinen Finanzplatz London in Gefahr, die britische Wirtschaft ist von den Banken und Versicherungen im Land sehr abhängig.


Die stärksten Unterstützer findet die Finanztransaktionssteuer in Deutschland und Frankreich, letztere würden sogar im Notfall einen Alleingang bei der Einführung gegenüber dem Nichtstun vorziehen. Deutschland war zunächst einmal darum bemüht diese Steuer in allen 27 EU-Staaten durchzusetzen, dies schlug allerdings durch das Veto von GB fehl. Merkel und Sarkozy engagieren sich aber jetzt für eine Durchsetzung innerhalb der Eurozone mit der Möglichkeit für Nicht-Euro-Länder der Vereinbarung freiwillig beitreten zu können.


Die Besteuerung sieht für Aktien und Anleihegeschäfte 0.1% für jede Transaktion und für Derivate 0.01% vor. Es werden nicht die Börsen belastet, sondern Banken, Versicherungen und Fonds. Ein unerwünschter Nebeneffekt ist, dass dadurch auch die Transaktionsgebühren für den privaten Aktienhändler steigen werden, hauptsächlich trifft diese Steuer aber den Hochfrequenzhandel der Banken, der an der Deutschen Börse zu 40% der Umsätze beitragt. Im Hochfrequenzhandel werden Käufe und Verkäufe mit wenigen Sekunden Abstand durchgeführt. Diese sehr spekulative Investmentmethode soll durch die Finanztransaktionssteuer deutlich eingedämmt und somit das Bankensystem stabilisiert werden.


Der erwartete Ertrag beträgt 57 Milliarden Euro, dürfte aber ohne eine Beteiligung von Großbritannien deutlich geringer ausfallen.


Gegner dieser Steuer argumentieren meist damit, dass die Börsenplätze Frankfurt und Paris Handelsvolumina an London verlieren könnten. Solange man aber die Steuer unabhängig vom Börsenplatz einführt, also die Steuersitze der jeweiligen Unternehmen betrachtet, sollte der oben genannte Effekt wesentlich geringer ausfallen.


Ich muss mich ganz klar für diese Art der Besteuerung einsetzen, auch wenn sie ohne GB geschieht, weil so zumindest ein Teil der Finanzierungskosten für wankende Staaten durch die Verursacher (es gibt auch noch viele weitere Faktoren!) getragen wird und die Sozialisierung von Schulden geringer ausfällt. Nur so kann Marktwirtschaft nachhaltig funktionieren. Die Korrelation zwischen Ertrag und Risiko muss bestehen bleiben!

Kommentare:

  1. Wenn ich als Kleinanleger für 1000 Euro Aktien kaufe oder verkaufe, ginge also ein Euro (0,1 Prozent) an den Staat, oder? Damit könnte ich leben.

    Hochfrequenzhandel sollte meiner Meinung nach verboten werden.

    LG Peter

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  2. Genau genommen gehen 0.1% jeder Transaktion an den Staat, also jeweils für den Kauf und den Verkauf.

    Das mit den Hochfrequenzhandel ist so eine Sache. Dieser führt nämlich auch dazu, dass die Börsen sehr liquide bleiben. Insgesamt sollte darüber jedoch weiter diskutiert werden.

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  3. Ich habe mal gelesen, beim Hochfrequenzhandel gehe es um Sekundenbruchteile. Vielleicht sollte man eine Mindesthaltedauer von 60 Sekunden einführen... oder sogar fünf Minuten! (Ich weiss jetzt selber nicht, ob ich diesen Vorschlag ernst meine...)

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  4. Das bringt meiner Meinung nach reichlich wenig. Die Gewinne beim Hochfrequenzhandel werden dadurch erzielt, dass die Börsen Kauf- und Verkaufsauträge wenige Millisekunden vor der eigentlichen Umsetzung an entsprechende Banken verkaufen. Diese kaufen noch vor dem ursprünglichen Kunden die Wertpapiere, um sie dann anschließend geringfügig teurer an den Kunden wieder zu verkaufen. Das hat für den Kunden keinen wirklichen Nachteil, weil die Differenz sehr klein ist (meist unter einem Cent), für die Bank bedeutet aber die milliardenfache Ausführung sehr viel Bares!

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