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Sonntag, 8. Januar 2012

Vorteile einer stärkeren Geldpolitik der EZB

Durch das Eingreifen der EZB am Staatsanleihenmarkt könnte die Staatschuldenkrise in Europa zumindest für den Moment gelöst werden. Einer der wahrscheinlichsten Ideen dabei ist folgende: Die EZB legt einen bestimmten Marktzins für Euro-Länder fest, welcher nicht überschritten werden darf. Das heißt im Klartext, solange die Marktteilnehmer davon überzeugt sind, dass ein Land seine Schulden auch nachhaltig bedienen kann, muss die EZB überhaupt nicht eingreifen. Dies wird zudem dadurch verstärkt, dass jeder Marktteilnehmer weiß: Dieses Land wird niemals mehr, als die festgelegten Zinsen zahlen müssen und dadurch steigt natürlich in enormer Weise das Vertrauen in die tatsächliche Begleichung der aufgenommen Schulden. Somit könnte allein die Ankündigung der Zentralbank zur Umsetzung einer solchen Geldpolitik die Märkte massiv beruhigen, dennoch kann man nicht ganz ausschließen, dass das Vertrauen sinkt. In diesem Fall steigt das Inflationsrisiko, weil effektiv Geld gedruckt wird, bzw. viel zusätzliches Geld den Markt flutet, welches nicht mit einer gleichzeitigen Prosperität einhergeht. Doch wie hoch ist die Inflationsgefahr wirklich? 


Diese Frage wird uns wohl niemand beantworten können, sie ist auch Bestandteil der Diskussion um solche Schritte der Zentralbank in Europa. Das Bewusstsein der Deutschen ist verständlicherweise immer noch durch die Hyperinflation im Jahr 1923 stark geprägt. Die anderen europäischen Staaten haben keinen historischen Bezug dazu. Doch lassen wir die Historie beiseite und beschäftigen wir uns mit aktuellen Beispielen: Japan und die USA.
In Japan herrscht seit über 20 Jahren Deflation, die Staatsverschuldung liegt bei weit mehr als 200% des BIPs und die japanische Zentralbank (Bank of Japan) interveniert sehr häufig am Geldmarkt, um den starken Yen gegenüber ausländischen Währungen wie den Dollar oder Euro zu drücken. Japan ist vor allem eins, Exportland und die Wirtschaft hat nur durch günstige Wechselkurse eine vernünftige Marge am Ende übrig.
Die USA verabschieden ein Staatsanleihenkaufprogramm nach dem anderen. Von Inflation ist in beiden Fällen nicht viel zu spüren. Die Kausalität zwischen Gelddrucken und Inflation ist also nicht so eindeutig wie erwartet. Ein weiterer Dämpfungsfaktor dürfte die rezessive makroökonomische Lage der europäischen Wirtschaft sein. Dennoch heißt es auch hier keine voreiligen Schlüsse zu ziehen.


Das größte Risiko besteht meiner Ansicht nach sowieso nicht in einer möglichen aufkommenden Inflation, sondern im verloren gegangenen Anreiz zur Schuldenminimierung und zur Verabschiedung eines soliden Haushalts. Gerade das hebt die Inflationserwartungen. Diese Gefahr muss dringend im Euroland gebannt werden. Wir (Europa) müssen endlich zu einer gemeinsamen Haushaltspolitik finden oder zumindest bestimmte Vetorechte zu unverhältnismäßig überhöhten Haushälten bekommen!

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