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Samstag, 18. Februar 2012

Wie wichtig ist die Umsetzung der Sparpolitik in Europa?

Es besteht die einhellige Übereinkunft darin, dass die Verringerung der hohen Staatsschulden der meisten europäischen Länder (Deutschland miteinbezogen) genau wie im Privathaushalt nur durch eine bessere Ausgabenpolitik, d.h. gleichzeitige Verkleinerung der Etats mit Steigerung der Effizienz der eingesetzten Mittel, umzusetzen ist.
Kritiker der obigen Aussage verweisen auf die Unterschiedlichkeit zwischen dem Staatsgebilde und einem privaten Haushalt. Ein Staat ist immer in sich abhängig oder mit anderen Worten: Steigen die Steuern, sinken die Löhne und Gewinne der Unternehmen, sinken also auch der Konsum und die Investitionstätigkeit, was wiederum die Wirtschaft schrumpfen lässt. Letztendlich nimmt der Staat, so die Annahme, durch höhere Steuern in der Summe weniger ein als vorher.
Tatsächlich wirkt sich aber eine nachhaltige Fiskalpolitik nur kurzfristig negativ auf das Wirtschaftswachstum aus. Paradoxerweise steigt sogar nach den ersten Sparanstrengungen die Schuldenquote (Schulden als prozentualer Anteil des BIPs), weil zunächst einmal die Gesamtschulden überhaupt nicht verringert werden können, sondern nur die rasante Steigerungsrate. Man fährt also ein geringeres Haushaltsdefizit (die Maastrichter Verträge sahen maximal 3% vor) ein als in dem Jahr davor. Die Wirtschaftsleistung eines Landes sinkt jedoch meistens erst einmal um mehrere Prozent bis sich eine Sohle gebildet hat. Es ist unvernünftig es als negativ zu werten, wenn ein zuvor auf Pump finanziertes Land eine zwingende Korrektur seiner Wirtschaftsleistung erlebt. Der große Irrtum von dem oft ausgegangen wird, ist die Schuldenquote als Maßstab für die Finanzstabilität eines Staates heranzuziehen. 


Es wäre brandgefährlich nun die Sparpolitik in Europa aufzugeben. Es wäre ein reines Hinauszögern der immensen volkswirtschaftlichen, politischen und sozialen Verwerfungen auf ein zukünftiges Datum. Das geringere Übel ist es, jetzt entschieden sich den Problemen zu stellen mit der Zusicherung der EZB die Lage abzufedern. 


Uns sollten die gegenwärtigen Ereignisse bewusst werden lassen, wie wichtig ein geeintes Europa, wirtschaftlich wie politisch, für alle Menschen auf diesem Kontinent ist. Wir müssen weg von reinen nationalistischen hin zu europäischen Denkmustern. Nur gemeinsam schaffen wir die Bewältigung der aktuellen Krise und werden gestärkt daraus hervorgehen. In der multipolaren Welt von heute ist ein Europa mit einer Stimme so nötig wie nie zuvor!

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