Google+

Montag, 11. Juni 2012

Spaniens Misere wird weitergehen! Die Politik hat sich nur Zeit gekauft:

Die Börsen steigen leicht an, der DAX ist mit über 2% Gewinn in den Handel gestartet und konnte bis Handelsschluss immerhin noch den Minimalgewinn von 0.2% halten. Aus diesen ersten Aufwärtsbewegungen aber bereits eine Trendwende erkennen zu wollen halte ich für maßlos übertrieben. Dies hat zwei Gründe: Zum einen gab es in den letzten Wochen bereits starke Ausverkäufe, die technische Erholungen immer wieder möglich machen. Dies zeigte sich heute unterstützt durch die Entscheidung der spanischen Regierung sich nun endlich an den EFSF Krediten zu bedienen. Dadurch sinkt jedoch nur kurzfristig das Risiko weiterer Zinssteigerungen spanischer Staatsanleihen. Wir können momentan ein durch Nachrichten angeheiztes Strohfeuer erkennen nicht mehr und auch nicht weniger. Zum anderen sind die grundlegenden Probleme der spanischen Wirtschafts- und Schuldenkrise weiter ungelöst. Doch von welchen Bereichen sprechen wir überhaupt?


Arbeitslosigkeit: 
Die Quote liegt momentan bei 24% und wird wohl noch weiter ansteigen. Bei den Arbeitssuchenden unter 25 Jahren sind ca. 50% betroffen. Diese Zahlen (in ihrer Höhe einmalig in Europa) führen zu einer sehr schwachen Binnennachfrage (Konsum) und kosten den Staat jeden weiteren Monat Milliarden von Euro. Dies verschärft die Krise ungemein. Es werden notwendige Strukturreformen im Arbeitsmarkt benötigt. Erste Schritte werden bereits gegangen, doch oft wirken Reformen erst Jahre nach ihrer Umsetzung (s. Agenda 2010).


Binnenwirtschaft: 
Diese ist zuletzt stark eingesunken, da kaufkräftige Konsumenten fehlen. Nicht nur die vielen Arbeitslosen sind für diese Lage verantwortlich, sondern auch die hohen Sparraten der Arbeitnehmer und die fehlende Investitionsfreudigkeit der Unternehmen, die unter anderem durch die schwierige Kreditaufnahme bedingt ist.
Nicht vergessen sollte man die Auswirkungen des Platzens der Immobilienblase von 2008, welche immer noch nicht überwunden werden konnten. Viele Baufirmen mussten Insolvenz beantragen und folglich Arbeitsplätze streichen. Außerdem sind viele Spanier, die auf den weiteren Immobilienboom gewettet haben, nun hoch verschuldet. 


Außenwirtschaft:
Positiv hingegen ist die Exportwirtschaft zu nennen. Hier machen sich vor allem ein starkes Auftreten in den südamerikanischen Schwellenmärkten und die Wettbewerbsfähigkeit spanischer Produkte und Dienstleistungen bezahlt.


Frühestens mit einem Wahlsieg der radikalen Linken (Syriza) diesen Sonntag in Griechenland spätestens jedoch über den Sommer hinweg werden die Renditen für spanische Staatsanleihen weiter auf einem hohen Niveau bleiben bzw. ansteigen. Letztendlich wird Spanien ähnlich wie zuvor Griechenland, Irland und Portugal unter den Rettungsschirm (dann ESM) schlüpfen müssen. Ob dieser für eine solche Last langfristig geeignet ist, bezweifle ich. Das Thema Eurobonds ist noch nicht abgeschlossen und wird von François Hollande nach dem Sieg seiner Sozialisten bei den Parlamentswahlen in Frankreich wieder auf die politische Bühne befördert werden.



hier gehts zu:
--> Übersicht zu Spaniens Bankenkrise
--> Lösungsansätze für die spanische Bankenrettung
--> Droht uns der Börsenkollaps? - Eine Einschätzung


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Sehr gerne sind Kommentare gesehen und werden baldmöglichst auch beantwortet! Kommentare mit Links zu themenfremden Webseiten sowie mit Spamverdacht werden es nicht durch die Freigabe schaffen. Desweiteren bitte ich darum, keine ganzen Textpassagen aus anderen Quellen zu zitieren.