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Samstag, 7. Juli 2012

Geldpolitische Instrumente - Zinssenkung der EZB

Die beiden wesentlichen Beschlüsse des EZB-Rates waren:
  • Den Leitzins von 1% um 25 Basispunkte auf 0.75% und
  • Den Einlagenzins von 0.25% auf 0% zu senken
Das Motiv hinter beiden Entscheidungen ist die drohende Rezession und die bereits vorhandene Massenarbeitslosigkeit in einigen Südeuropäischen Ländern zu bekämpfen. Vor allem die Jugendarbeitslosigkeit (in vielen Ländern nahe 50%) wird sich vermutlich über Jahrzehnte hinweg negativ auf das europäische Wachstum auswirken.
Ob die ureigene Aufgabe der Zentralbank die Geldwertstabilität zu halten eingehalten wird, ist weiterhin fraglich. Zwar scheint die Inflation angesichts der drohenden Rezession (wirkt deflationär) vorerst unwahrscheinlich, bei einer Erholung der Konjunktur müsste das viele Zentralbankgeld jedoch wieder aus dem Kreislauf genommen werden. Doch wird die EZB in der Lage sein den Leitzins dann wieder auf 4 bis 5% anzuheben oder erstickt diese Maßnahme die Konjunktur in ihrem Wachstumskeim? Vieles deutet daraufhin, dass die EZB mittelfristig von ihrer Zielmarke von 2% für die Inflation abweicht, was wiederum weitreichende Konsequenzen für Sparer, Pensionäre und Geringverdiener haben wird.

Die Entscheidung den Zinssatz für Übernachteinlagen auf null Prozent herunterzufahren soll den Interbankenhandel wieder ankurbeln. Es soll sich für die Geldinstitute nicht mehr lohnen dürfen ihr Geld bei der EZB zwischenparken zu können und dafür auch noch einen Zins zu kassieren. Ob es dieser Nullzins jedoch tatsächlich vermag das tiefere Misstrauen der Banken untereinander zu überwinden ist nicht sicher. Schlimmstenfalls geht dieser Vorstoß nach hinten los, da er offen legt, dass die Banken selbst bei 0% Einlagenzins auf Übernachtkredite zu anderen Instituten verzichten.

Die Zentralbanker hoffen darauf, dass der niedrige Leitzins vor allem die angeschlagenen Banken im südeuropäischen Raum mit zusätzlichen Kapital eindeckt, jedoch erhalten auch deutsche, niederländische und finnische Banken das Geld zu diesen günstigen Konditionen. Deutschland braucht eigentlich einen viel höheren Leitzins. Deswegen wären selektivere Maßnahmen vermutlich besser gewesen.

Die Realwirtschaft profitiert wahrscheinlich kaum, die Banken werden kurzfristig unterstützt und dies gibt wiederum kurzfristig den Finanzmärkten Aufwind. Letztlich kann die Zentralbank nur Zeit kaufen, die die Politik sinnvoll nutzen muss. Dazu gehört die rasche Umsetzung der Bankenunion (--> Wie würde eine Bankenunion funktionieren?), sowie das Durchführen struktureller Reformen in der ganzen Eurozone (inkl. Deutschland) mit besonderem Bedacht auf Wachstumsreformen. Von Strohfeuern sollte man allerdings Abstand nehmen.

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