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Sonntag, 5. August 2012

Aktienausblick - Staatsanleihekäufe der EZB

Übersicht:
Die EZB hat unter ihrem italienischen Präsidenten Mario Draghi vor kurzem entschieden, die bereits im Jahr 2011 begonnenen und dann wieder schnell eingestellten Staatsanleihekäufe für Krisenstaaten wie Italien und Spanien wieder aufzunehmen. Grund dafür sollen die hohen Spreads (Zinsdifferenz zwischen Bundesanleihen und Anleihen anderer Euro-Länder) sein, die der Ansicht der EZB nach kaum noch rational begründbar seien, sondern sich nur aus der Angst und Marktpanik erklären lassen würden. Spanien und Italien haben bereits große Reformanstrengungen unternommen, doch die Märkte honorieren diese nicht. Die Zinsen für 10-Jahres-Anleihen beider Länder befanden sich weiterhin auf Rekordniveaus, welche jeden Staat früher oder später in die Pleite schicken. Eine direkte Staatsfinanzierung bleibt wegen der EU-Verträge weiterhin verboten, doch auch über Aufkäufe an den Sekundärmärkten konnte die EZB bereits 2011 schnell zu einer Entspannung beitragen. Dieses Mal sollen die Staatsanleihekäufe jedoch an Bedingungen geknüpft werden. Staaten sollen nur monetäre Unterstützung von der Europäischen Zentralbank erhalten, wenn sie von der EZB als notwendig erachtete Spar- und Reformpakete verabschiedet haben. 
Zu den weiteren Beschlüssen gehört es, dass an den ESM auch in Zukunft keine Zentralbankgelder vergeben werden sollen, selbst falls dieser eine Banklizenz vorzuweisen hätte. Dieser Beschluss kann jedoch jederzeit mit einer einfachen Mehrheit im EZB-Rat wieder geändert werden.


Mögliche positive Entwicklungen:
Wegen der rezessiven Entwicklungen vor allem in Südeuropa, die nach und nach auch die restlichen Euro-Länder erreichen, ist die Deflation, die als solches schlimmere Folgen für die Wirtschaft hat als eine Inflation, weiterhin nicht gebannt. Eine lockerere Geldpolitik der EZB mit neuen direkten monetären Eingriffen könnte eine kommende Deflation im Keim ersticken. Zudem könnte die bloße Ankündigung notfalls mit EZB-Geldern zu intervenieren bereits zu einer Selbstregulation der Märkte führen. So bräuchte die Europäische Zentralbank nur wenig Geld in die Hand zu nehmen, um die Märkte tiefgreifend zu beeinflussen und das allgemeine Zinsniveau für Peripheriestaaten zu senken. Insgesamt vermögen es die gezielten an Bedingungen geknüpften Interventionen am Sekundärmarkt für Anleihen Staatsregierungen für geleistete Anstrengungen zu belohnen, auch wenn diese erst real nach Jahren sichtbar werden.


Mögliche Gefahren:
Interventionen am Anleihemarkt bergen immer das hohe Risiko der Inflation. Niemand weiß heute, ob Anleihen auch zurückbezahlt werden können oder ob es wie im Fall Griechenlands auch bei anderen Euro-Ländern zu Schuldenschnitten kommt. Es scheint fraglich ob die EZB ihren vorrangigen Gläubigerstatus aufrechterhalten kann und will. Falls sie dies beabsichtigt, steigt bei einem Schuldenschnitt zugleich der prozentuale Ausfall für Privatanleger, Banken usw. und lässt deswegen das Zinsniveau eher weiter ansteigen, weil das Ausfallrisiko steigt. Öffentliche Verluste mit Staatsanleihen (EZB, ESM, EFSF) sind also zu gut wie eingeplant. Das Zentralbankgeld findet also nicht wieder zurück und lässt damit die Geldmenge im Umlauf ansteigen, welches Inflation begünstigt. Dadurch entfernt sich die EZB immer weiter von ihrem Mandat der Geldwertstabilität und ersetzt dieses durch ein Mandat der monetären Staatsfinanzierung. 
Außerdem stellt sich mir die Frage, ob die EZB tatsächlich tatenlos zuschauen wird, wenn Regierungen anvisierte Sparziele immer wieder weit verfehlen und ihren Reformplänen nicht nachkommen. Wird es die EZB riskieren, dass Anleihezinsen für Spanien oder sogar Italien auf über 10% steigen? Wohl kaum. Hoffen dürfen wir zwar, dass diese Bedingungen greifen, bauen können wir jedoch nicht darauf.
Es mag politisch sinnvoll sein den Weg der Inflation zu gehen, d.h. Europa als Ganzes durch die Krise zu führen, doch die EZB ist keine demokratisch legitimierte Institution und dennoch  nimmt sie entscheidenden Einfluss auf das Schicksal von Millionen Europäern.

Marktausblick:
Die Entscheidungen Draghis werden die Märkte vorerst nicht abrutschen lassen. Volatile Schwankungen dürften auftreten, da es weiterhin nicht klar ist, wann, wo und in welchem Ausmaß die EZB tatsächlich Staatsanleihekäufe vornimmt. Außerdem erwarten wir alle gespannt das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Legalität des ESM ab. Gerüchte über den Ausgang des Urteils dürften sich schon vorher ausbreiten und entsprechend für die Märkte richtungsweisend sein. Nicht vergessen dürfen wir allerdings, dass Aktienkurse sich nicht nur an politischen Entscheidungen, sondern vor allem an zukünftigen wirtschaftlichen Aussichten orientieren. Diese werden für deutsche Unternehmen zunehmend schwächer, denn da ist nicht nur das schwache Südeuropa, sondern auch der schwächelnde Konsum in den Vereinigten Staaten und China. Wer weiß, ob Spanien nicht doch ein eigenes und nicht nur auf die Banken zugeschnittenes Rettungspaket vom ESM benötigt? Alles keine guten Vorzeichen für sorglose Investments.
Anleger sollten jedoch keineswegs Abstand von Aktien nehmen, aber sehr auf die Auswahl achten. Gute Kennzahlen sind ein geringer Schuldenstand, Weltmachtstellung im jeweiligen Sektor, weltweiter Vertrieb (Streuung von Währungsrisiken, Unabhängigkeit von Südeuropa, starker Stand in den USA und Schwellenländern), Innovationsfähigkeit und eine ordentliche Dividendenausschüttung. Letztere ist nicht zu unterschätzen. Anleger, die diese konsequent in ihr Portfolio reinvestierten, konnten trotz volatiler Aktienkurse  langfristig überdurchschnittliche Gewinne einfahren. Achten sie auf die relative Höhe der Aktienkurse. Kaufen Sie nie zu teuren Kursen, weil sie Angst haben eine Rallye zu verpassen. Damit folgen Sie der Gier und nicht rationalen Entscheidungen!

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